Wir verneigen uns tief

08. Januar 2017

Köpenicker SC Berlin - VfB Suhl Lotto Thüringen    3:2 (25:20,17:25,20:17,13:25,18:16) 

Trotz denkbar schlechter Voraussetzungen besiegte am Samstagabend der Köpenicker SC Berlin den Tabellennachbarn VfB Suhl Lotto Thüringen in einem wahren Krimi mit 3:2. Gehandikapt durch viele personelle Ausfälle gelang das über eine absolute Energieleistung der verbliebenen halbwegs einsatzfähigen Spielerinnen. Die Aktiven haben sich jetzt erst einmal Rekonvaleszenz wahrlich verdient.

Die Zuschauer staunten nicht schlecht, als bei der Mannschaftsvorstellung lediglich sieben Berliner Namen aufgerufen wurden. Zwei Verletzungen, eine Abstellung zur Juniorinnen-Nationalmannschaft und drei weitere Ausfälle mit Krankheit führten dazu, dass lediglich ein Häufchen der sieben Aufrechten in die Halle lief. Und dem geneigten aufmerksamen Zuschauer wird nicht entgangen sein, dass von denen zumindest drei überhaupt nicht fit waren und im Normalfall kaum im Aufgebot gestanden hätten. Da sich das Erstligateam nicht personell bei der Mannschaft der 2. Bundesliga bedienen konnte (gleichzeitiges Spiel beim TV Gladbeck - auch dort nur acht Spielerinnen auf die Reise nach Nordrhein-Westfalen gegangen) wurden alle "irgendwie" verfügbaren Kräfte aufgeboten....

Von Anfang an entwickelte sich ein Spiel, das von einem ständigen Auf und Ab in der Punktführung gekennzeichnet war. Die vier ersten Sätze wurden analog dem Aachen-Spiel nur von der aus dem Westen aufschlagenden Mannschaft gewonnen. Unabhängig von der Himmelsrichtung kämpften beide Teams verbissen um die Punkte. Die Mannschaften boten zwar selten spielerische Feinschmeckerkost, dafür warf man sich auf beiden Seiten mit Hingabe in die gegnerischen Angriffe und versuchte selbst die Angriffsaktionen druckvoll zu vollstrecken... Im vierten Satz kam schon der befürchtete kleine Einbruch auf Berliner Seite - völlig ohne Auswechselmöglichkeiten ein schwieriges Unterfangen für den Trainer, neu zu motivieren. Doch es gelang: Im fünften Satz schenkten sich die beiden Teams keinen Zentimeter. Schon nach dem Seitenwechsel zur Satzmitte hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen und feuerte die Teams lautstark an. Suhl hatte zunächst Punktvorteil, und beim Stand von 12:14 schienen schon die Messen für den Gastgeber gesungen zu sein. Doch mit schier übermenschlicher Konzentration schafften es die Schmetterlinge noch, die allerletzten Kraftreserven locker zu machen, drei Matchbälle abzuwehren und die Gäste niederzuringen. Eine großartige kämpferische Leistung!

Die Gäste aus Thüringen kamen in Berlin nicht zu Ihrem erfolgreichen Spiel, wie sie es noch am Mittwoch in Wiesbaden zelebriert haben. Claudia Steger wurde durch die Abwehr der Berliner Aufschläge stark beschäftigt und konnte seltener als von Han Abbing gewünscht in das Angriffsgeschehen eingreifen. Die meiste Gefahr ging von der sehr durchschlagskräftigen Diagonalen Tereza Patockova (26 Treffer) aus, in der Abwehr brillierte mit der 38-jährigen Mila Lauerova (verdienter MVP auf Suhler Seite mit einer Vielzahl von spektakulären Rettungsaktionen) eine weitere Tschechin.

Bei der Berliner Mannschaft war nach dem Spiel sogar die Kraft zum Freuen nur begrenzt vorhanden - zu intensiv, zu kräfteverschleißend waren unter den gegebenen Umständen die vorangegangenen 128 Minuten. Wirklich alle rackerten dem gemeinsamen Ziel entgegen, fünf Spielerinnen trugen sich in die Scorerliste mit mehr als zehn Treffern ein. Die meisten erzielte Nuria Lopes da Silva mit dem persönlichen Rekord beim KSC von 19 Punkten. Zur MVP wählte Han Abbing Berlins Erfahrenste: Trotz einiger gesundheitlicher Probleme und trotz der Suhler Taktik, sie mit den Aufschlägen einzudecken (43 Annahmen!),  beschäftigte sie intensiv die Suhler Abwehr und ihr gelangen im Angriff noch 15 Punkte. 

Nun heißt es für die Schmetterlinge, den Körper wieder fit zu bekommen und nach einer Erholungsphase neu durchzustarten. Am nächsten Wochenende wartet bereits der Tabellendritte Stuttgart - hoffentlich wird dann zumindest ein Teil der ausgefallenen Spielerinnen dem Team wieder zur Verfügung stehen.

Nachrichten-Kategorie: