Wie geht es weiter in der Jugendarbeit?

22. Juli 2012
2. Teil des Gesprächs mit dem Volleyball Abteilungsleiter des KSC, Martin Jankowsky. Der erste Teil war eher ein Rückblick, heute geht es mehr um einen Ausblick in die kommende Saison.

Vor einem Jahr hat der KSC vier jungen Spielerinnen aus dem Nachwuchs die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam mit der ersten Mannschaft zu trainieren. Damit sollten Voraussetzungen geschaffen werden, um die Anforderungen des schnellen und kraftintensiven Spiels in der Bundesliga mittelfristig zu erfüllen. Was ist aus diesem Projekt geworden?

Alle vier Spielerinnen haben sich unzweifelhaft weiter entwickelt, wenngleich keine bisher den Sprung in die erste Mannschaft geschafft hat. Das hat sehr unterschiedliche Ursachen, der Sprung von der Berlin Liga in die erste Bundesliga ist aber auch vielleicht ein zu großer Schritt. Und allein die zeitlichen und athletischen Trainingsanforderungen des Erstligabetriebs sind in kühnsten Träumen nicht vergleichbar. Wir akzeptieren selbstverständlich, dass die gesundheitlichen und schulischen Belange der Nachwuchsspielerinnen klaren Vorrang vor dem Leistungssport-Gedanken haben. Aus dem Quartett könnte mittelfristig vielleicht Josefine Peschel einmal an die Tür des Erstligaaufgebots anklopfen. Sie hat sich die technischen Voraussetzungen erarbeitet, verfügt über ein gutes Auge, muss aber noch lernen auf dem Feld die nötige Selbstsicherheit und Präsenz auszustrahlen, die für die Libero-Position unabdingbar ist.

Martin, wie geht es in der Jugendarbeit beim KSC weiter?

Wir werden den eingeschlagenen Weg weiter gehen. Langfristig wird der KSC nur eine Chance haben, in der ersten Liga eine gute Rolle zu spielen, wenn es uns gelingt, Köpenicker oder andere Berliner Mädchen so an den Leistungssport heranzuführen, dass sie auch an das Leistungsniveau der Bundesligamannschaft anklopfen und sich für einen Einsatz gegen Schwerin, Dresden oder Münster anbieten. Wir denken, dass dies unabdingbar für die Identifikation unseres Publikums mit der Erstliga-Mannschaft ist. Ein sehr langer und steiniger Weg, das weiß ich. Zumal wir nicht über die finanziellen Ressourcen wie in den Vereinen mit Olympiastützpunkt verfügen.


Da gibt es große Zustimmung. Bloß, wenn unsere Mittel schon beschränkt sind, wo kann man dann ansetzen, um weiterzukommen?

In den kommenden Jahren dürfte ein Gesichtspunkt wesentlich an Bedeutung gewinnen, das ist die Zusammenarbeit mit den anderen Berliner Vereinen, die leistungsorientierten Volleyball im Jugendbereich betreiben. Ohne eine Konzentration der Kräfte wird es mittelfristig sicher schwer, das bisherige Niveau zu halten und zu verbessern. Wir haben einfach nicht mehr den Andrang an talentierten Nachwuchsspielerinnen wie in den 90er Jahren, es fällt schwer, für alle Leistungsklassen und Jahrgänge die Trainingsgruppen ideal besetzt zu bekommen. Neben den geburtenschwächeren Jahrgängen spielt natürlich auch ein inzwischen radikal verändertes Freizeitverhalten eine Rolle. Wir unterstützen deshalb auch uneingeschränkt die Überlegungen, Vereinsstrukturen zu schaffen, die gerade den leistungsorientierten Gedanken im Jugendbereich fördern. Natürlich fördern wir den leistungsorientierten Freizeitsport, aber das Heranführen an Erstliga-Anforderungen verlangt schon ein „Mehr“ im Jugendbereich. Ein „Mehr“ an Training, an Leistungsbereitschaft , vielleicht aber auch ein „Mehr“ an Betreuung und Professionalität im Umfeld. Vielleicht kann die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen dazu beitragen, dass wir bald wieder neue Gesichter aus Berlin auf dem Sprung in eine Erstligamannschaft in den Hallen der Republik sehen können.
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