Geschichte der Volleyballabteilung des Köpenicker SC

Die Anfänge

Der 1991 entstandene Köpenicker SC hat seinen Ursprung als DDR-Betriebssportgemeinschaft. Gegründet 1949 zunächst als BSG RFT Köpenick hieß er ab 1950 BSG Motor Wendenschloß, ab 1957 BSG Motor Köpenick und ab 1990 bis 1991 SV Motor Köpenick. 1984 entwickelte sich die Volleyballabteilung aus einer bisherigen Freizeitmannschaft, begann mit dem Spielbetrieb in der Kreisklasse und stieg schrittweise bis in die Berlinliga auf.

Aufbau durch Jugendarbeit ab 1994

Seit 1994 investierte der Köpenicker SC viel Zeit in die Ausbildung seiner Jugend. Belohnt wurde dieser Aufwand mit 23 Nordost-Deutschen Titeltriumphen und 11 goldenen Deutschen Meisterschaftspokalen. Am erfolgreichsten war bisher der Jahrgang 1990. Besetzt mit den Bundesligaspielerinnen Saskia Hippe, Sandra Sydlik, Pia Riedel, Jessica Göpner und Stephanie Hempel gewann das Team vier Deutsche Meisterschaften (2002 E-Jugend, 2003 D-Jugend, 2005 C-Jugend, 2007 B-Jugend) und wurde Vizemeister 2008 in der A-Jugend.

Die Jahre ab 1994 sind sehr eng verknüpft mit zwei handelnden Personen: Zum einen begann der Jugendtrainer Michael Lehmann mit seiner nahezu legendären Jugendarbeit, die er mit einem schier unerschöpflichen Enthusiasmus, außergewöhnlicher Intensität und Gründlichkeit betrieb. Lehmanns Alltag drehte sich nahezu ausschließlich um den Sport: Vormittags unterrichtete er an der Flatow-Oberschule Volleyball, nachmittags betreute er die diversen Jugendteams des KSC, abends trainierte er dann die ersten und zweiten Mannschaften. Eine ganz wichtige Rolle spielten die Sichtungen in den Grundschulen als Basis für Lehmanns Konzept. Auf diesem Weg wurde in Köpenick und Umgebung bereits in den dritten Klassen die Sportart vorgestellt, Talente früh erkannt sowie interessierten Mädchen die Freude am Volleyball vermittelt. Gleichzeitig wurde für den Verein der Mitgliedernachschub gesichert.

Zum anderen stand der Name Hans Fischer als Abteilungsvorstand Volleyball für denjenigen im Hintergrund, der den Trainern sehr viele organisatorische Aufgaben abnahm und schrittweise im Umfeld durch die vielfältigen Kontakte zu staatlichen Stellen, Parteien und Sportverbänden die Voraussetzungen für das Wachstum der Abteilung schuf. Der Verein wurde fast ausschließlich über Mitgliedsbeiträge der vielen Mitglieder finanziert. Erst etwas später kamen erste kleinere Sponsorenbeiträge dazu.

Auch der kometenhafte Aufstieg der 1. Damenmannschaft - man erreichte innerhalb von nur 12 Jahren den Durchmarsch aus der Bezirksliga bis in die höchste deutsche Spielklasse (1993 Bezirksklasse, 1994 Berlinliga, 2001 Regionalliga, 2003 2. Bundesliga, 2005 1. Bundesliga) - basierte auf den Grundsteinen der guten Jugendarbeit. Im ersten Jahr der Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse spielten völlig atypisch für Erstligaverhältnisse acht Eigengewächse (das heißt Mädchen, die seit ihrer Kindheit für den KSC spielten) im Erstligaaufgebot. Mitte der 2000er Jahre war der KSC der erfolgreichste deutsche Verein ohne Olympiastützpunkt im Mädchenvolleyball.

Die großen Namen

Zu den großen Namen, die aus der Jugendarbeit des KSC stammen, gehören unter anderem:

Saskia Hippe - begann als 9jährige beim KSC - mit 13 Jahren erster Einsatz in der 2. Liga, mit 14 Jahren in der 1. Liga - Nationalspielerin für Deutschland schon seit 2008 als 17 jährige, verließ den KSC im Jahr 2008. Noch während ihrer Zugehörigkeit zum KSC wurde sie mit ihrer Mannschaft Jugend-Europameister und erarbeitete sich die Jugend-WM-Teilnahme. Nach einigen Jahren beim Spitzenverein Dresden und einem Ausflug in die erste italienische Liga (Chieri) spielte Sassi beim tschechischen Meister und Champions League Teilnehmer Agel Prostejov (nahe Brünn) sowie beim Schweriner SC und SC Potsdam. Aktuell ist sie beim griechischen Spitzenverein Olympiakos Piräus unter Vertrag. 

Sandra Sydlik - begann als 9jährige beim KSC - Jugend-Europameister 2007 und Jugend-WM-Teilnahme 2007, verließ den KSC 2009, um beim Lokalrivalen SC Potsdam anzuheuern. Danach spielte sie für die Universitätsmannschaft der Temple University in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania.

Laura Ludwig - spielte im Hallenvolleyballbereich seit 1994 von den KSC Jugendmannschaften bis zum Aufstieg aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga 2003.  Nach Ausflügen zum Beach-Volleyball schon seit 1999 holte sie bereits 2003 zum Abschluss ihrer KSC-Zeit mit Jana Köhler den U18 WM-Titel in Thailand. Danach verließ sie den Verein und feierte in Leverkusen im Hallenvolleyball mit dem Vizemeistertitel Erfolge in der 1. Bundesliga. Ab 2004 wechselte sie komplett auf den Sandplatz. Seit Jahren wird die Weltklasse Beach-Volleyballerin zusammen mit ihrer jeweiligen Partnerin unter den zehn besten Teams in der Weltrangliste geführt.  Nach dem Viertelfinaleinzug bei Olympia 2012 mit Sarah Goller ist sie aktuell mit Kira Walkenhorst unterwegs. 2016 dominierte sie mit Kira die World Tour mit 4 Grand-Slam-Titeln sowie dem Sieg bei der Europameisterschaft. Bei Olympia 2016 in Rio krönte sie ihre bisherige Karriere mit dem Gewinn der Goldmedaille.  

Anja Günther - spielte im Hallenvolleyballbereich seit 1994 von den KSC-Jugendmannschaften über den Zweitliga Aufstieg 2003 bis zur ersten Saison in der 1. Bundesliga 2005/06. Seit dem Jahr 2000 hatte sie schon parallel Beach-Volleyball betrieben. Dorthin wechselte sie 2006 endgültig. Zu ihren vielen Erfolgen gehören unter anderem der Titel der U23-Europameisterin 2005 sowie Deutsche Vizemeisterin 2009 im Beachvolleyball. 

Pia Riedel - begann als 9jährige beim KSC und blieb bis auf einen kurzen Ausflug zum Zweitligisten Rudow dem Verein treu. Erstligaspielerin 2008-2017. Deutsche Meisterin Beach U20 mit Jessica Göpner (KSC). 4. Platz der U19-Beach-Europameisterschaft sowie 9. Platz Deutsche Beachmeisterschaft 2012 mit Isabel Schneider (Leverkusen)

Jugendarbeit als ständige Aufgabe

Leider konnte das bis Mitte der 2000er Jahre erreichte Niveau der Nachwuchsarbeit nicht gehalten werden. Mit dem Weggang von Michael Lehmann zum Olympiastützpunkt Schwerin fehlte der tatkräftige Macher. Der Verein war mit den nachfolgenden Trainern nicht mehr in der Lage, ein ähnliches Niveau der Jugendarbeit zu erreichen. Zwischenzeitig gab es durchaus Teilerfolge: So schaffte die Berlin-Liga Mannschaft unter Trainer Juan Carlos im Jahr 2012 mit Mädchen fast nur aus den Jahrgängen 1995/96 den Aufstieg in die Regionalliga und bereits in der folgenden Saison den nächsten Aufstieg in die Dritte Bundesliga. Die vierte Mannschaft unter Trainer Sören Damerius, nahezu durchgängig besetzt mit Mädels aus den Jahrgängen 1997/98, war 2012 in der Lage, an „alte“ erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen: Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga schaffte das Team nach dem 2. Platz bei der Nordostdeutschen Meisterschaft einen sehr guten achten Platz bei der Deutschen Meisterschaft der U16. 

Andererseits waren aber auch immer wieder Rückschläge zu verzeichnen. Nach einem zwischenzeitlichen schmerzhaften Stillstand geht es mit der Jugendarbeit beim KSC wieder aufwärts: Mit einer größeren Anzahl an Kindern und Jugendlichen im Trainingsbetrieb sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, Jugendmannschaften wieder komplett am Spielbetrieb teilnehmen zu lassen.

In der 1. Bundesliga ab 2005

Als sich im Frühjahr 2005 die Vereinsverantwortlichen und die Fans nach dem Blick auf den Tabellenstand in der zweiten Liga mit dem unangefochtenen ersten Platz des KSC mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga beschäftigten, hatte wohl keiner die Vielzahl von Aufgaben und Schwierigkeiten in der Erwartung, wie sie sich später im täglichen Kampf mit der Realität herausstellten. Da war nicht nur ein extremer Leistungsunterschied zwischen erster und zweiter Liga (eben der Unterschied zwischen profihaft betriebenem Sport und reinem Amateursport) zu überwinden, sondern auch Anforderungen im organisatorischen Bereich zu erfüllen, die sich zunächst keiner vorstellen konnte. Sponsoren waren zu beschaffen und der Kontakt mit ihnen zu pflegen, mit dem Bezirksamt die erweiterten Hallennutzungszeiten abzustimmen, Ausnahmegenehmigungen für die genutzten Sporthallen zu organisieren (da diese zunächst nicht den Erstliga-Wettkampfvorschriften entsprachen), publikumsträchtige Werbung zu machen – und last but not least - darüber den Volleyballsport und die verschiedenen Mannschaften im Verein mit ihrem Spielbetrieb nicht zu vergessen.

An den Aufstieg und die erste Bundesligasaison erinnert sich der damalige Abteilungsleiter Volleyball Hans Fischer.

In den Folgejahren: Zum Inventar der Liga geworden

Gelang in der ersten Bundesligasaison mal gerade der Nichtabstieg, steigerte sich die Mannschaft in den darauf folgenden Jahren. Größter Erfolg der ersten Mannschaft des KSC Berlin ist das mehrfache Erreichen des achten Tabellenplatzes in der Volleyball-Bundesliga. Die Mannschaft kämpfte bisher elf Jahre in der ersten Liga, ohne zwischenzeitlich abzusteigen - auch wenn es nicht gelang, internationale Spitzenspielerinnen nach Köpenick zu holen. Auch im organisatorischen Bereich ging der Verein schrittweise vorwärts. Nachdem die Bundesligaspiele zunächst in einer Schulsporthalle mit wenigen Sitzplätzen stattfinden mussten, steht dem Verein nach einer zwischenzeitlichen Nutzung des umgebauten Flugzeughangars in Adlershof mittlerweile an der Hämmerlingstraße eine Mehrzweckhalle mit zur Verfügung, die mehr als 1000 Zuschauern Platz gewährt und die für die erste und zweite Mannschaft des Vereins ideale und zentral gelegene Trainings- und Wettkampfstätte ist. Die guten Bedingungen in der Hämmerlingstraße waren 2011 für den Volleyballverband sogar Anlass, das Länderspiel des deutschen Nationalteams der Damen gegen die japanische Auswahl nach Köpenick zu vergeben. Ein Leckerbissen vom Feinsten für alle Volleyballfans mit spektakulären Ballwechseln, die sonst in der Bundesliga nirgends zu sehen sind! 

Personell ist die Entwicklung der Mannschaft seit dem Erstligastart natürlich damit verbunden, dass durchgängig einige Spielerinnen aus der eigenen Jugend im Erstligaaufgebot standen. So waren es neben den oben dargestellten Spielerinnen beispielsweise Jessica Göpner, Pia Riedel, Ann-Marie Knauf, Stephanie Hempel und Carolin Zieger, die den Sprung in die 1. Liga erreichten. Logischerweise schafften nicht alle Talente den dauerhaften Verbleib im Erstliga-Kader. Sie wechselten dann regelmäßig zu einem der Zweitligisten wie zum Beispiel vormals Rudow oder RPB Berlin. 

In den ersten Jahren der Erstligazugehörigkeit gelang es dem Verein nie, deutsche Nationalspielerinnen anderer Bundesligavereine zu verpflichten. Erst 2012 gab es mit Patricia Grohmann hier eine positive Entwicklung. So wurde der Kader in den zurückliegenden Jahren immer wieder mit deutschen Talenten (wie Marlit Fischer, Jana Schumann, Michaela Sabrowske, Sandra Sell, Inga Vollbrecht, Juliane Gramenz), aber auch so manchen ausländischen Spielerinnen aufgefüllt. Erstmals in der Saison 2012/13 spielte beim KSC eine bzw. mehrere aktuelle Nationalspielerinnen eines anderen Staates. In den letzten Jahren entwickelt sich der Verein zu einer guten Adresse für junge Nachwuchsspielerinnen aus anderen Vereinen, die hier in Köpenick ihre ersten Schritte in der Bundesliga absolvierten. Deutsche Talente von Nele Iwohn über Saskia Radzuweit bis Anna Pogany holten sich hier die Spielpraxis, die eminent wichtig für die weitere sportliche Entwicklung ist. 

Die beim KSC unter Vertrag stehenden Aktiven und Trainer nutzten die in Köpenick erworbenen Fähigkeiten teilweise für eine nationale oder gar internationale Karriere. Lauren Barfield (USA), Rebecca Pavan (CAN) und Lucie Smutna (CZ) konnten nach ihrer KSC-Zeit für international erfolgreiche Spitzenmannschaften auflaufen. Die früheren KSC-Trainer Salomoni und Gallardo krönten ihre Karriere durch Berufungen zu Nationaltrainern europäischer Staaten. 

Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte durfte der KSC in der Saison  2015/2016 feiern, als man erstmals seit dem Aufstieg 2005 die Play-offs der Meisterschaft erreichte - und das mit einer für deutsche Erstligaverhältnisse sehr untypischen Mannschaft, da zu ihr neun deutsche Spielerinnen, davon sieben in Berlin geborene, gehörten. 2017 schaffte mit Libera Anna Pogany zudem wieder eine KSC-Athletin die Nominierung zur A-Nationalmannschaft der Damen.

Der Abschied von 1. und 2. Bundesliga

Nach dem Erreichen des 9. Tabellenplatzes in der Saison 2016/17 - ebenso mit einem Aufgebot, das stark von deutschen Spielerinnen geprägt war - musste sich der Verein aus der 1. Liga zurückziehen, da es nicht gelang, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für ein Verbleiben in der 1. Bundesliga zu schaffen. So bleibt nach 12 Jahren 1. Liga in Köpenick, den Dank an diejenigen auszusprechen, die in unterschiedlichen Funktionen, mit unterschiedlicher Intensität, aber immer mit viel Herzblut Leistungssport hier möglich gemacht haben. Unser Dank geht insbesondere an

  • die bisherigen Sponsoren, die mit ihren finanziellen Beiträgen die Grundvoraussetzungen für Bundesligasport geschaffen haben, zu ihnen gehörten in den vergangenen 12 Jahren vor allem
    - Air Berlin mit Peter Hauptvogel,
    - Jörg Schlerfer von der JSC Bauplanung GmbH,
    - Jochen und Catrin Peters mit der Spreebilanz Steuerberatungs GmbH sowie
    - Tillmann Raith von der Deutschen Energie/Envitra
  • die ehrenamtlichen Helfer, die im Umfeld der Spieltage und des Trainingsbetriebs viel Zeit und Kraft für die Mannschaft aufgewendet haben,
  • die Fans, die so manches Mal mit ihrer Stimmung auf den Rängen das KSC-Team zu Höchstleistungen auf dem Feld getrieben und immer fair hinter ihrem Team gestanden haben und
  • Trainer und Spielerinnen, an deren Leistungen und Erfolge wir uns auch in der Zukunft gern erinnern wollen

Die 2. Mannschaft des KSC, die nach 2007-2009 auch seit 2015 in der 2. Bundesliga Nord sehr erfolgreich spielte, wird ab der Saison 2017/18 unter den Fittichen des BBSC Berlin antreten. Der BBSC schaffte mit seinem bisherigen Team um Ex-KSC-Zuspielerin Laura Hippe den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Zukünftig soll aus den Akteurinnen beider Mannschaften je ein Team in der 2. und 3. Bundesliga auflaufen. Die gemeinsame Vereinszugehörigkeit soll die Durchlässigkeit der Leistungsstufen der Akteurinnen fördern. 

Der Spielbetrieb wird ab 2017/18 von unterklassigen KSC-Mannschaften in den Berliner Ligen fortgeführt. Daneben spielt - durchgängig seit Beginn des Vereinslebens - ein Teil der KSC-Mitglieder Freizeitvolleyball ohne Ligabetrieb.