Text-Bruchstücke zu Laura und Kira

18. August 2016

Manchmal mussten Larissa/Talita (BRA) das Gefühl gehabt haben, nicht gegen zwei phantastische deutsche Spielerinnen zu spielen, sondern gegen ein Trio. An nahezu jedem Ball waren Laura Ludwig/Kira Walkenhorst im zweiten Satz „dran“ und erteilten den an eins gesetzten Gastge.berinnen mit 21-12 eine wahre Lehrstunde. Natürlich waren sie nur zu zweit auf dem Feld, doch irgendwie auch nicht. Ludwig/Walkenhorst machen das eigene Feld extrem klein, halten auf den 64 Quadratmetern wie Pech und Schwefel zusammen. (beach-volleyball.de vom 17.08.2016).

Phasenweise führten die beiden die Brasilianerinnen regelrecht vor. Manch einen erinnerte das Spiel schon an das sagenhafte 7:1 der DFB-Kicker gegen Brasilien zwei Jahre zuvor. Einen Matchball wehrten die Brasilianerinnen noch ab, nach dem zweiten war es dann geschehen. Noch in derselben Sekunde kniete Walkenhorst im Sand, und nun gab es auch Applaus vom brasilianischen Publikum. Während des Spiels hatten die 11.000 Zuschauer die deutschen Spielerinnen bei fast jedem ihrer Aufschläge lautstark ausgebuht. (Spiegel.de vom 17.08.2016)

Ludwig/Walkenhorst ließen sich auch von den Zwischenhochs der Brasilianerinnen nicht beirren. "Umso größer der Druck wurde, desto besser haben wir gespielt", sagte die 25 Jahre alte Walkenhorst zur Turnierleistung. Wagner brachte der schon erfahrenen Ludwig und "Frischling" Wagenhorst neben Athletik, Technik und Taktik auch Geduld bei: "Am Anfang sind sie auf den Platz gegangen und wollten sofort alles einreißen." Hervorragend eingestellt von Wagner, der Sportpsychologin Anett Szigeti und Balltrainerin Helke Claasen, die zum engen Kreis hinter dem Spielerinnen-Duo gehören, spielte das deutsche Duo in der Schlussphase seine Nervenstärke aus. "Es haben alle extrem für das Team gearbeitet, ohne sich zu profilieren", betonte der Chefcoach. (Stuttgarter Nachrichten vom 18.08.2016)

Laura Ludwig freute sich später noch über die tollen Szenen bei der Siegerehrung, als Agatha/Barbara und Walsh Jennings/Ross eindrucksvoll mit ihnen feierten und sich als bemerkenswert faire Kontrahenten erwiesen: ”Wir haben ein tolles Verhältnis zu beiden Teams, die sich mit uns gefreut haben”, berichtete Laura Ludwig. (volleyball.de vom 18.08.2018)

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst hatten die Brasilianerinnen Barbara und Agatha vor 12 000 schockierten Zuschauern im Stadion beim windumtosten 2:0-Finalsieg der Beachvolleyballerinnen wie Amateure aussehen lassen. "Adrenalin bis zum Kopf", sagte ZDF-Kommentator Reckermann in Rio. ... Anders als Athleten aus vielen anderen olympischen Sportarten reisen Beachvolleyball-Duos als kleine Ich-AGs durch die Welt. Sie werden zwar vom Verband (leidlich) gefördert, aber nicht in den starren Strukturen geknebelt. So basiert der Erfolg des fröhlichen Duos, das eher ein professionelles Verhältnis pflegt ..., auf individueller Rundum-Betreuung. Sie übernahmen die Trainer und Scouts von Brink und Reckermann, verbesserten ihre Technik, engagierten Physiotherapeuten und Mentalcoaches. Ludwig stellte außerdem ihre Ernährung um zu rein laktose- und fast glutenfreier Kost. So professionell hat sich bislang kein deutsches Frauen-Duo auf Olympia vorbereitet. (Sueddeutsche.de vom 18.08.2016)

"Als der Sturm kam, dachte ich: Fuck it, jetzt machen wir unseren eigenen Sturm!", sagt Laura Ludwig, als sie die Medaille umhängen hat. "Wir konnten auf unsere Technik vertrauen, das hat uns gegen die Nervosität geholfen." Fokussierung ist das Schlüsselwort zu diesem historischen Erfolg, nur an das Wesentliche denken, alle Unwägbarkeiten möglichst ausschließen. ... Strategisch sucht sie sich eine neue Partnerin, mit der der Traum Wirklichkeit werden soll. Sie ruft Kira Walkenhorst an, damals Deutschlands größtes Talent, schlaggewaltig und so groß, dass es auf der anderen Seite des Netzes dunkel wird, wenn sie zum Block steigt. Die ideale Ergänzung zur Abwehrspezialistin Laura Ludwig, die Bälle ausbuddelt, die selbst ein Erdferkel verloren gibt. Keine Liebesheirat, ein Zweckbündnis.)Sueddeutsche.de vom 19.08.2016)

Das Publikum hat keine Energie mehr, großartig zu pfeifen. Buhrufe bringen Ludwig und Walkenhorst ohnehin nicht groß aus dem Konzept. „Ich muss sowas pragmatisch umsetzen“, sagt Trainer Wagner. ... Mit der Mentaltrainerin haben sie dann überlegt, wie sie dieses Thema in Rio angehen können. „Man kann sich ja vorstellen, man spielt gerade auf dem Nebenplatz“, sagt Wagner, „dann hört man die Pfiffe gar nicht.“ So etwas ist eben handlungsorientiert.   (Frankfurter Rundschau vom 19.08.2016)

Man kann ohne zu übertreiben sagen, dieses blonde Energiebündel, das wie eine Flipperkugel durch den Sand hechtet und den Ball bei Aufschlag und Angriff mit gewaltigem Bumms und Präzision übers Netz dreschen kann, die dominante Erscheinung des olympischen Frauenturniers im Beachvolleyball gewesen ist. Ausgebildet wurde die Berlinerin Ludwig in den Jugendmannschaften des Köpenicker SC, ihre Eltern betreiben dort eine Siebdruckerei. ...Sie ist wirklich ein seht positiver Typ“, sagt ihr Trainer. Während der Spiele wohnte er mit Ludwig und dem Physiotherapeuten fünf Minuten entfernt von der Stahlrohr-Arena in einer WG: „Wenn die Tür morgens aufgeht, ist auch sie manchmal völlig zerknittert. Aber dann guckt sie hoch, ist am Strahlen – und die Sonne scheint.“ (Berliner Zeitung vom 19.08.2016)

Sara Niedrig (geb. Goller, Olympia-Teilnehmerin 2004 und 2008, vor dem Finale): „Liebe Laura, liebe Kira, liebes Trainer- und Betreuerteam, ihr habt es tatsächlich geschafft! Wieder eine (Gold-)Medaille im Beach-Volleyball für Deutschland! Nach Jonas und Julius dachte man, das war historisch. Das wird es so schnell nicht mehr geben. Und zack, baumelt das nächste glänzende Ding um den schwarz-rot-goldenen Hals. Dafür Worte zu finden, ist gar nicht so einfach. Ich weiß noch als ich mit dir, Laura, in deiner kleinen Küche in Leverkusen stand, du warst 18 und unsicher ob du "den sicheren Hafen" der Hallen-Bundesliga verlassen sollst, um in den unwirtlichen Gewässern des Beach-Volleyballs dein Glück zu versuchen. Kira, zur gleichen Zeit habe ich dich als verschüchtertes, großes Mädchen in der Flemig/Sylvester-WG kennengelernt. Wobei "kennengelernt" zu viel wäre: Du warst 15, saßt in der Sofaecke, hattest schon zwei Kreuzbandrisse, und ich war nicht sicher, ob du überhaupt sprechen kannst... Und jetzt soll ich Worte finden für das, was in der Zwischenzeit passiert ist? Ich versuch's kurz zu halten: ihr hattet es nicht immer leicht. Musstet euch finden, Rückschläge und Verletzungen überstehen, von dem ganzen harten Training und den Entbehrungen mal ganz abgesehen. Ihr habt ein tolles Team, das euch dabei unterstützt und geholfen hat und jetzt habt ihr es alle zusammen geschafft an dem größten und wichtigsten Wettkampf eure allerallerallerbeste Leistung abzurufen. Das ist einfach das Schönste, was in einem Sportler-, Trainer-, Betreuerleben passieren kann.(DVV vom 18.08.2016)


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