Regina Burchardt: Alles auf Anfang

02. Januar 2017

FB-Site von Regina Burchardt vom 02.01.2017

Alles auf Anfang

Regina Mapeli Burchardt beendet ihre Volleyball-Karriere und startet ein neues Kapitel in ihrem Leben

Regina Mapeli Burchardt schreibt gerade zum ersten Mal in ihrem Leben eine Bewerbung. Bislang war das nicht notwendig, denn ihr Körper, ihre Einstellung und ihre Volleyball-Technik waren die Visitenkarte der 33-Jährigen. Doch damit ist es nun vorbei. Nach 20 Jahren beendet die Bundesliga- und 57-fache Nationalspielerin ihre aktive Volleyball-Karriere. „Das ist kein leichter Schritt“, sagt sie. „Es beginnt ein komplett neuer Lebensabschnitt, in dem ich mich nun plötzlich um die Dinge kümmern muss, die jahrelang geregelt waren.“ Es beginnt ganz profan bei einem Auto und einer Wohnung, die Profi-Volleyballer oftmals vom Verein gestellt bekommen, vor allem geht es aber darum, sich noch einmal ganz neu zu definieren. Zwanzig Jahre lang lag der Fokus darauf, dass der runde Ball nicht den Boden berührt, es ging darum, fit zu sein, verletzungsfrei zu bleiben und in einem Team zu funktionieren.

„Erst hat es einfach nur Spaß gemacht“, berichtet Mapeli Burchardt, die als Neunjährige mit Volleyball begann und ihr erstes Training in Marzahn an der Seite von Linda Dörendahl noch genau vor Augen hat. Ihr damaliger Trainer Horst Dutz war es dann auch, der sie bei der Nachwuchsschmiede VC Olympia empfahl. „Ich glaube, er hat Jens Tietböhl immer wieder genervt, damit er mich nimmt“, sagt sie. Der Nachwuchs-Bundestrainer sieht das anders: „Regina war damals schon eine der besten Spielerinnen aus Marzahn“, sagt Tietböhl. „Ich glaube nicht, dass sie mir durch die Lappen gegangen wäre.“

Fünf Jahre spielte Mapeli Burchardt im Jugendprojekt. In der Saison 2000/01 gehörte die 1,86 Meter große Außenangreiferin zum ersten Jahrgang, der in der Bundesliga mitmischen durfte. „Das war eine tolle Zeit mit super Mädels“, erinnert sie sich. In der Jugend-Nationalmannschaft hatte sie mit Cornelia Dumler und Atika Bouagaa starke Konkurrenz auf ihrer Position. „Sie war immer Nummer drei, aber sie war unglaublich fleißig und hat nie aufgehört zu kämpfen“, erinnert sich Tietböhl. Über die Stationen Volley Cats und VC 68 Eichwalde gelangte Mapeli Burchardt zu ihrer ersten Auslandsstation. So zumindest nennt das Klaus-Peter Jung, damals Geschäftsführer der Roten Raben in Vilsbiburg. „Ich traf sie zum ersten Mal bei einer A-Jugendmeisterschaft in Berlin“, erzählt er. „Sie wollte ins Ausland gehen, und das hat sie dann ja indirekt auch gemacht – von Berlin ins tiefe Niederbayern.“

Bei den Raben reifte Mapeli Burchardt zu einer Führungsspielerin heran und wurde Kapitän der Bundesliga-Mannschaft. Die Deutsche Meisterschaft 2008 und den DVV-Pokaltitel 2009 beschreibt sie als Höhepunkte ihrer Karriere: „Ich habe noch das Bild vor mir, wie ich die Schale hochhebe, und es gab eine tolle Torte mit einem Raben drauf. Wir waren ein tolles Team, hatten keinen Überflieger, dafür aber mit Guillermo Gallardo einen hervorragenden Trainer.“ Auch ihrem Privatleben gaben die fünf Jahre in Vilsbiburg eine entscheidende Wendung: 2009 lernte sie den Brasilianer Eurico Lanner Mapeli Junior kennen, den sie im Mai 2013 in Dänemark heiratete.

„Durch den Volleyball habe ich meinen Mann kennengelernt und viele tolle Freunde fürs Leben gewonnen – der Abschied zum Profisport fällt mir natürlich nicht leicht“, gibt sie zu. Das geregelte Leben mit den festen Trainingseinheiten hat nun ein Ende. „Ich kann jetzt meinen Tagesablauf selbst bestimmen, das ist gut, fällt aber auch schwer“, sagt sie. Allerdings hat sie sich auch schon früh auf diese Zeit vorbereitet: Noch in Vilsbiburg absolvierte Mapeli Burchardt eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau und arbeitete nebenbei in der Geschäftsstelle. Dann ging sie tatsächlich ins Ausland, spielte ein Jahr beim Club Voleibol Haro in der ersten spanischen Liga. „Es war genau das Auslandsjahr, dass ich mir immer gewünscht hatte“, schwärmt sie. 2010 holte ihre ehemalige Vilsbiburg-Mitspielerin Nicole Fetting sie zum VC Wiesbaden. „Eine Besonderheit unserer gemeinsamen Zeit war, dass wir immer an einem Strang gezogen haben“, sagt Fetting.

Zuerst als Mitspielerinnen, und als Fetting 2011 in die Geschäftsführung in Wiesbaden wechselte, schafften die beiden Frauen es weiterhin, sich gemeinsam für ihr Team sowie ihre persönlichen Ziele einzusetzen. In diese Zeit fällt auch die Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2011, die Mapeli Burchardt mit derA-Nationalmannschaft gewann. „Sie ist eine herausragende Persönlichkeit, der die Einbindung der Mitspieler immer wichtiger war, als sich selbst in den Vordergrund zu stellen“, sagt Andreas Vollmer, der 2011 als Cheftrainer nach Wiesbaden kam und inzwischen neben dem USC Münster die DVV-Frauen trainiert. „Sie hat immer neue Aktionen ins Team getragen, war beispielhaft was Lebensführung, Ernährung, Disziplin und Kampfgeist angeht“, sagt Vollmer. „Von ihrer Art haben wir viel zu wenige in Deutschland, in meiner inzwischen 30 Jahre andauernden Karriere als Volleyball-Trainer habe ich nur sehr wenige Spielerinnen mit so einem Charakter kennengelernt.“

Ihre unglücklichste Station hatte Mapeli Burchardt dann 2015/16 beim SC Potsdam, wo sie sich eigentlich mit ihrem Mann im Trainerteam einen langsamen und erfolgreichen Karriereausklang gewünscht hatte. Nach nur einer Saison war die Zusammenarbeit beendet, weil es für beide Seiten nicht gepasst hat. „Ich glaube, in dieser Zeit hat sie sehr gelitten, aber Regi ist stark, sie wird das verkraften“, sagt Vollmer. Zuletzt spielte Mapeli Burchardt mit ihrer Zwillingsschwester Anita zusammen bei TSV Tempelhof Mariendorf in der Regionalliga, außerdem hat sie inzwischen mehrere Kurse und Fortbildungen zur Sport-Mentaltrainerin absolviert. „Diese Arbeit kann ich mir super vorstellen, auch im Bereich Volleyball“, sagt sie. So müsste sie ihrer Leidenschaft nach 20 Jahren auch nicht komplett den Rücken zuwenden. „Ich bin ein sehr positiver Mensch und daher gucke ich absolut positiv in meine Zukunft“, sagt sie.

geschrieben von Ninja Priesterjahn

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