Zweitligastart in Hohenschönhausen

Saisonauftakt in der 2. Bundesliga:

Rotation Prenzlauer Berg - SV Bad Laer

Sonntag, 12. September 2010 um 17.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen

mit am Start auf Berliner Seite: die Ex-Erstligaspielerinnen  Insa Brychzy, Irene Hannibal, Nadja Kubiziel, Marlit Fischer (KSC) und Anja-Nadin Pietrek (Volleycats)




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Wie man Niederlagen hassen lernt PDF Drucken E-Mail
Freitag, 12. März 2010

Sächsische Zeitung vom 12.10.2010 / Website DSC

Sein Ton ist scharf. „Walkenhorst, was ist denn das für eine Annahme", raunzt Jens Tietböhl die 15-jährige Pia Walkenhorst an. Die Nachwuchs-Volleyballerin hatte sich zuvor im Training etwas ungeschickt angestellt. Dass der Bundesstützpunkt-Trainer an diesem Tag seine 21 Schützlinge beim Nachnamen ruft, hat aber nichts mit dem unfreundlichen Eindruck zu tun, den diese Geste nach außen vermittelt. „Ich habe ein ganz schlechtes Namensgedächtnis, da ist manchmal der Vorname nicht gleich abrufbar. Ich hoffe, die Mädels nehmen mir das nicht übel", sagt Tietböhl, der zugleich Sportdirektor beim neuen deutschen Pokalsieger Dresdner SC ist.

Siegen ist trainierbar
Tietböhl ist in seiner Doppelfunktion direkt dafür verantwortlich, dass die kommende Generation Dresdner Volleyballerinnen die Erfolgsgeschichte fortschreibt. Siegertypen kann man sich methodisch erziehen, meint der frühere Juniorinnen Bundestrainer. Siegen ist trainierbar, wenn man lernt zu hassen. Die Niederlage nämlich. Dafür hat der gebürtige Berliner bei seinem Amtsantritt in Dresden vor knapp anderthalb Jahren einen Trainingsstil mitgebracht, der auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig anmutet. Bei jeder Spielform in den Übungseinheiten muss die unterlegene Mannschaft eine Strafarbeit hinnehmen. Die muss nicht unbedingt etwas mit Volleyball zu tun haben. Zehn straffe Laufrunden ums Feld, Liegestütze in gleicher Anzahl, 20 Sit-ups für die Bauchmuskeln oder zehn Schmetterbälle aus nächster Nähe abwehren. Niederlagen tun beim Ausbildungsteam des Dresdner SC richtig weh, selbst im Training. Auch die Bundesliga-Damen trainieren auf diese Art und Weise. „Verlieren ist scheiße, Mädels“ ruft Tietböhl jener Traube von Unglücklichen zu, die kurz zuvor einen Trainingssatz gegen ihre Kolleginnen verloren und nun ums Feldtrotten. Wer so abgestraft wird, kann den Trainer in solchen Phasen nicht unbedingt leiden. „lch darf als Nachwuchstrainer nicht beliebt sein. Aber die Mädchen müssen wissen, dass ich ihnen etwas beibringen kann. Wir haben Vertrauen zueinander", sagt der 47-Jähige. „Die Methode war für uns anfangs sehr ungewohnt – und da gab es mal die eine oder andere Träne", gibt Katharina Schwabe zu. Aber die 16-jährige Jugend-Nationalspielerin hat in ihrem Zweitliga Team eine Entwicklung festgestellt, die sie auch an der Bestrafung im Training festmacht. „Der Wille, alles für den Sieg zu tun, ist richtig spürbar geworden", sagte sie. Die 15- bis 18-jährigen Mädchen haben verinnerlicht, dass der vom Trainer so simulierte Druck notwendig ist, um im Wettkampf zu bestehen. „Ich glaube, wir haben seit über einem Jahr kein Fünfsatz-Spiel mehr verloren", sagt der Bundesstützpunkt- Trainer. Unter seiner Regie genau genommen seit September 2008 noch gar keins - dafür entschieden die Talente in dieser Zeit alle acht Fünfsatz-Duelle für sich. Soll heißen, die angelernte Siegermentalität kommt offensichtlich vor allem in engen Partien zum Tragen, wenn nicht mehr die Qualität und Physis entscheiden, sondern der pure Wille. Den haben die Dresdnerinnen offenbar. Noch nie stand die Nachwuchs-Mannschaft in der 2. Bundesliga zu diesem Zeitpunkt so gut da wie jetzt auf Platz drei.

Mehr taktische Möglichkeiten
Der Trainer vergibt in den Trainingsspielchen zwei Punkte für solche Situationen, in denen der Angreifer gezielt den Block anschlägt, damit der Ball von dort ins Aus fliegt. „Sie sollen mehrere Lösungen parat haben. auch taktisch schlagen, nicht nur mit Kraft", sagt Tietböhl. Offenbar erfolgreich Ich merke. dass ich jetzt im Angriff viel mehr Varianten drauf habe, das gibt zu dem Selbstsicherheit", erklärt Katharina Schwabe.
Nicht zuletzt wegen seiner Methodik gilt Tietböhl in der Szene als harter Hund. „Im Männervolleyball ist das ganz normal. Denen wäre bei einem Frauentraining kotzlangweilig. Aber ich kann natürlich auch loben", bekräftigt er sachte schmunzelnd. Aber da muss man schon genau hinhören, um die verbale Streicheleinheit herauszuhören. Die 16-jährige Lisa Izquierdo-Mocasqui hört nach einem erfolgreichen Angriffsschlag an den gegnerischen Block diese Trainerworte. „Wenn das bewusst war, dann war es super."

Sächsiche Zeitung, Alexander Hiller




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